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// HTPC-EIGENBAU

Seit Anschaffung eines neuen Quadcore-Komplettrechners, stand mein etwas betagter Pentium 4 untätig in der Ecke und fand keine Verwendung mehr. Großartig Geld kann man mit der Kiste nicht mehr machen und für eine Entsorgung ist das Gerät auch zu schade. Da alle Komponenten schließlich noch funktionstüchtig waren, überlegte ich etwas daraus zu machen und kam auf die Idee zu einem möglichst kostengünstigen HTPC, der meinen Ansprüchen genügen könnte.

Hardware

Die Hardware besteht aus einem Pentium 4 mit 2,8 GHz (inklusive Hyperthreading), 1 GB Arbeitsspeicher, einer Geforce 7600 mit DVI Ausgang, 2 Festplatten, 2 Laufwerken (DVD-Laufwerk und ein DVD-Brenner) und einer alten, analogen TV-Karte samt Fernbedienung.
Neu wurde lediglich das Gehäuse, eine Bluetooth-Tastatur und eine preisgünstige WLAN-Karte erworben, da der Rechner nicht in Nähe meines Routers steht und per Funk angebunden werden muss. Das neue Eingabegerät läßt sich überdies an der Playstation3 nutzen, weshalb die Entscheidung zur Bluetooth-Variante leichter fiel.

Anschluss

Glücklicherweise besitzt das alte Mainboard schon einen optischen TOS-Link-Ausgang, weshalb der Anschluss an den Receiver einfach ist und digital erfolgen kann. Alternativ hätte ich mich bei einem großen Internet-Auktionshaus nach einer günstigen Soundkarte umgesehen, aber mit Platzproblemen im Gehäuse kämpfen müssen.
Der Anschluss an den TV erfolgt per VGA oder DVI, wobei ich DVI wegen der besseren Bildqualität und Anschlussvielfalt am TV vorziehe. VGA ist durch die XBOX360 belegt und ein HDMI Port ist noch entbehrlich. Ein bereits vom alten DVD-Player vorhandenes Kabel DVI auf HDMI kommt zum Einsatz. Dies überträgt zwar keinen Sound per HDMI, doch dieser wird ja separat an den Receiver abgeführt.

Software

Da zum alten Rechner noch eine Windows XP Home Lizenz gehört, beschloss ich auf dieses System zu setzten. Die Kosten sollten wie gesagt möglichst überschaubar bleiben und auf Linux- Abenteuer hatte ich wenig Lust. Vista schied in Anbetracht der Kosten und der Relation zur angegrauten Hardware sowieso aus. Zwar bringt es selbst eine Media-Center Oberfläche wird, doch im Netz fanden sich schnell gute Alternativen hierzu.
Als MediaCenter soll dann das kostenfreie MediaPortal zum Einsatz kommen. Die anpassbaren Oberflächen machten auf den Screenshots einen guten Eindruck und die Skalierbarkeit schien enorm. Dank guter Forenunterstützung sollte die Software die Wahl schnell für sich gewinnen.

Umsetzung/Konfiguration

Nachdem alle Teile eingetrudelt waren, ließ der Zusammenbau nicht lange auf sich warten. Insgesamt verlief die Bastelaktion reibungsloser als vermutet. Zwar erforderte das Gehäuse etwas Überlegungsarbeit, doch als der Rechner direkt beim ersten Versuch normal startete war alles vergessen.
Das alte Betriebssystem fuhr komplett hoch, erkannte die neuen USB-Ports an der Front und schien normal zu laufen. Sogleich wurde der Rechner "platt" gemacht und XP Home neu aufgesetzt. Dank vorhandener Recovery-DVD war dies kein Problem und bald begrüßte ein frisches System mit fast allen Treibern den Anwender.
Nachdem die wichtigen Updates und ServicePacks installiert waren, ging es schon an den TV. Per DVI-HDMI-Kabel und automatischer Erkennung der Auflösung, erstrahlte ein erfreulich klares Bild mit sauber lesbarer Schrift. Auch der Sound per optischer Verkabelung verrichtete ohne zu Murren seinen Dienst sofort. Eine erste Testfahrt mit eingelegter "Death Race"-DVD und dem bereits vorinstallierten (aber veralteten) PowerDVD machte Freude. Das DVD-Bild wurde bereits ohne zusätzliche Filter super hochskaliert und wirkte plastisch.

Am folgenden Abend habe ich mich der MediaCenter-Software gewidmet und auch deren Installation verlief einfach und zunächst ohne Hürden. Die unzähligen Einstellungsmöglichkeiten sind da schon kniffliger und sollten den User länger als mit dem Rechner-Zusammenbau beschäftigen. Für jedes Format muss der passende Codec gewählt werden und ständig muss die Software zum Test gestartet werden. Bis allein die Testfiles liefen, verging eine geraume Weile. Während die DVDs auf Anhieb funktionierten, machten die umfangreichen Konfigurationen für andere Videoformate etwas zu schaffen.
 

Einsatz

Wie schon erwähnt, überzeugt die optische Darstellung auf ganzer Linie. Der Windows-Desktop ist sauber und die Schrift ohne Doppelkonturen. Per veraltetem VGA wären hier wohl Unschärfen entstanden.
Die Bildqualität im Filmbereich hängt natürlich am stärksten von der Quelle ab, doch anständige DVDs schauen wirklich topp aus. Die Skalierung auf die höhere Auflösung gelingt dem PC hervorragend und somit bietet sich eine Alternative zum Stand-Alone HD-DVD-Player, der mir sonst die Scheiben hochrechnete.
Bei AC3 bestückten DivX/Xvids tönte der Sound schön aus allen Boxen und klang besser als am normalen PC-Boxenset ohne hochwertigen Receiver.
Die MediaPortal habe ich bis dato noch nicht 100%ig im Griff, doch das wird sich schon geben. Bislang navigiere ich noch mit der Bluetooth-Tastatur und entsprechenden Desktop-Verknüpfungen zu den Zielordnern. Ist zwar nicht sehr komfortabel, doch ausreichend Praxis-tauglich.
So richtig tauglich ist allerdings der Rest, wie beispielsweise die Lautstärke. Das Ding ist ungefähr so laut wie mein HD-DVD-Player und insgesamt deutlich leiser als meine XBOX360. Hat mich bei den ganzen Lüftern doch angenehm überrascht. Der PC ist zwar hörbar, aber selbst bei normalen Filmpassagen kaum wahrnehmbar. Bei etwas Filmmusik oder Action sowieso nicht mehr.
Audio-Dateien laufen klaglos und die Tonqualität ist in Ordnung. Viel mehr kann ich hier nicht schreiben, da ich den HTPC auch hauptsächlich als Film-Abspieler nutzen werde. Ansonsten klingt das Teil wie mein iPhone am Receiver - was sich nicht übel anhört.

Fazit

Ein HTPC ist eine nette Sache, aber nicht wirklich ein Must-Have. Heutzutage können schon viele DVD/Blu-Ray-Player mit verschiedensten Video-, Bild- und Tondateien umgehen und reichen vielen Anwendern schon. Gerade die Playstation3 hat mir immer gute Dienste geleistet und konnte wirklich viele Formate abspielen. Mit dem HTPC ist man nun rundum bedient und man muss sich keine Sorgen mehr machen. Sollte eine Datei mal nicht laufen, ist schnell ein neuer Codec oder eine neue Abspielsoftware aus dem Netz besorgt. Vieles ist hier Freeware und hält die Kosten überschaubar. Man braucht nicht lange auf Firmware-Updates der Hersteller warten und kann praktisch alles einbinden.
Bei meinem selbstgebauten HTPC sind vielleicht nicht die stromsparenden Teile verbaut worden, aber immerhin blieb der Anschaffungspreis gering und die Systemleistung ist ausreichend. Die Blu-Ray Abspielbarkeit habe ich etwas außer Acht gelassen, da die PS3 hier gute Arbeit leistet und bei den derzeitigen Preisen keine reinen Abspiel-Laufwerke für mich in Frage kommen. In meinem "richtigen" Desktop-Rechner habe ich ein Blu-Ray-Brenner und im Notebook einen Blu-Ray-Player - dies sollte vorerst reichen. Die Geräuschentwicklung - ein wichtiger Faktor im Wohnzimmer - ist im grünen Bereich und im Vorfeld eine kleine Sorge gewesen.
Die Bild- und Tonqualität ist insgesamt sehr gut und vor allem die schicke MediaPortal- Oberfläche begeistert. Der relativ schnelle Aufbau und die direkte Einsatzbereitschaft haben mich positiv überrascht und zum Spaßfaktor beigetragen. Mit der etwas kniffeligen MediaCenter- Konfiguration habe ich nicht gerechnet und da meine vorhandene Fernbedienung darin noch nicht funktioniert, greife ich vorerst wenig darauf zurück.
Unterm Strich war die ganze Geschichte eine nette Bastelaktion und ich denke, dass ich den Selbstbau-HTPC schon öfters verwenden werde. Allein wegen der Möglichkeit meine noch vorhandenen WMV-HD-DVDs (z.B. Underworld, Tomb Raider) auf der großen Glotze zu sehen ist eine feine Sache. Die funktionierten - dank DRM - nämlich nicht auf der XBOX360 geschweige denn auf der PS3...

Links zum Thema

- Media Portal - Open Source MediaCenter
- Forum de Luxx (Bereich "Barebones und HTPCs" auswählen)

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